Aus BioLektors Notizenbuch

Allerley Wundersames aus Biologie und Sprache

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Neu am Bodensee

Gestern war GEO-Tag der Artenvielfalt. Auch in Konstanz entdeckten und bestimmten Biologen und Naturfreunde in einem festgelegten Gebiet am Stadtrand eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen. Gregor Schmitz, der Leiter des hiesigen Botanischen Gartens, stellte die Listen der gefundenen Arten zum Abschluss der Veranstaltung kurz vor. Unter anderem wurde eine Schneckenart entdeckt, die laut Expertenmeinung hier normalerweise nicht vorkommt.

Siedeln sich solche mehr oder weniger direkt durch menschliche Aktivitäten eingeführte Arten bei uns dauerhaft an, sprechen Biologen von Neozoen (Singular: Neozoon). In der Bodenseeregion sind Neozoen keine Seltenheit. Die Konstanzer Limnologen (Binnengewässerkundler) gehen davon aus, dass im See und seinem Einzugsgebiet etwa 700 bis 800 Neozoenarten leben.

Bekannte Fremdlinge, die sich im Bodensee sehr wohl zu fühlen scheinen (und dass man in dieser Gegend angenehm lebt, kann der Blogautor bestätigen), sind die seit den 1960er Jahren gefundene Dreikantmuschel (Dreissena polymorpha), der Große Höckerflohkrebs (Dikerogammarus villosus) oder der Kaulbarsch (Gymnocephalus cernuus). Immer wieder kommen neue Arten hinzu.

Crangonyx pseudogracilis Erst vor wenigen Monaten entdeckte eine Diplomandin des Limnologischen Instituts einen für den Bodensee neuen Amphipoden. Der Flohkrebs mit dem hübschen Namen Crangonyx pseudogracilis stammt ursprünglich aus Amerika. Niemand weiß, wie der kleine Kerl ins Schwäbische Meer gelangt ist. Ökologen umschreiben dieses Nichtwissen gern mit den Worten, dass eine neue Art eingeschleppt wurde. Unter Schlepper-Verdacht stehen dabei oft Schiffe, Angler oder Aquarianer.

Auch in Zeiten des Artenschwunds sehen Naturschützer die Neuankömmlinge keineswegs als willkommene Bereicherung. Denn für die nicht vorhersehbaren (und manchmal katastrophalen) Auswirkungen neuer Arten auf die vorhandene Flora und Fauna gibt es leider unzählige Beispiele, sowohl von Tieren (Fragen Sie mal einen Zoologen in Australien!) wie von Pflanzen (s. Riesen-Bärenklau, Goldrute oder Drüsiges Springkraut bei uns).

Speziell mit der ökologischen Problematik der Neozoen im Bodensee beschäftigen sich seit 2006 Gewässerforscher und Ökologen des ANEBO-Projekts (ANEBO: Aquatische Neozoen im Bodensee).

verfasst am Sonntag, dem 15. Juni 2008 um 15:44 Uhr, abgelegt unter BioLOGie
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