Kartoffel-Batterien und sogar Web-Server, die von Kartoffelenergie angetrieben werden, kennt man schon länger. Auch mit Zitronen wurden ähnliche Experimente durchgeführt, dazu sind zwei unterschiedliche Elektroden notwendig, meistens wird eine aus Zink- und eine aus Kupfer verwendet, alles Weitere besorgen die Elektrolyte der Pflanze. Jeder, der sich ein wenig für populärwissenschaftliche Experimente oder Physikunterricht interessiert, hat so etwas schon mal gesehen.
Doch was Forscher aus Washington nun veröffentlicht haben, war mir noch nicht bekannt: Ein Baum, genauer gesagt, eine Ahorn-Art (Acer macrophyllum), liefert den elektrischen Strom für einen winzigen Elektronik-Schaltkreis.
Das Interessante dabei: Mit dem Kartoffelstrom-Phänomen hat der Baumstrom nichts zu tun. Die Forscher verwendeten bewusst das gleiche Metall für beide Elektroden! Woher die „Kraft des Ahorn“ kommt, ist noch unklar. Diskutiert werden eine Art Signalübertragung im Baum oder Unterschiede im pH-Wert von Baum und Boden.
Die Wissenschaftler denken daran, energieeffiziente Nanotechnologie mit dieser Art von Energiequelle zu versorgen. Mit Hilfe von Baumstrom könnten man z.B. fernab jeder Zivilisation und Steckdose Sensoren betreiben, die Klima- oder Umweltdaten übermitteln oder vor Waldbränden warnen.
Ich bin gespannt, was daraus wird. Wenn diese Technik denn mal marktreif ist, hätte ich gerne einen Bonsai neben dem Monitor, der meinen Kaffee warm hält und bei eintreffenden Mails mit den Blättern raschelt. ![]()
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