Worüber Millionen von Kinobesuchern im Film Avatar derzeit staunen, daran arbeiten Bioinformatiker schon seit Jahren und zwar erfolgreich: Die Tiefenwahrnehmung von dreidimensionalen Objekten. Doch geht es Biologen weniger um außerirdische Zivilisationen und riesige Monster, sondern um die möglichst realistische Darstellung von kaum weniger phantastischen Strukturen der Biologie. Komplizierte Proteinmoleküle oder Strukturen von Viren werden dreidimensional.

Bildquelle: Universität des Saarlandes; (Foto: bellhäuser - das bilderwerk)
Möglich macht dies die Software Ballview, die am Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken entwickelt wurde. Dieses Programm kann Moleküle sehr realistisch, mit Licht, Schatten und Spiegelungen darstellen. Die stereoskopische Projektion ermöglicht es den Forschern, eine bessere räumliche Vorstellung von z.B. Proteinen oder Viren zu entwickeln. Mit Hilfe einer 3-D-Maus kann man sogar Elemente am Bildschirm verschieben oder ein- und auszoomen. Auch eine Steuerung über Kopfbewegungen (Headtracking über Infrarot-Sensoren) ist möglich. Auf der Cebit in Hannover kann man sich davon überzeugen, ähnlich wie im Film Avatar trägt man dazu eine spezielle Brille für die Tiefenwahrnehmung.
Das Schöne daran: Die Software ist frei verfügbar (“Open Source”). Durch Erweiterungen normaler Web-Browser soll daher künftig diese Art der dreidimensionalen Darstellung von Molekülen auch per Internet möglich werden. Mehr beim Informationsdienst Wissenschaft.
Nachtrag vom 04.03.2010 aufgrund eines Hinweises in den Kommentaren (Danke Bioinformatiker!): Aktuell sind an der Weiterentwicklung des Programms mehrere Arbeitsgruppen der Universitäten (bzw. Zentren für Bioinformatik) in Saarbrücken und Tübingen beteiligt.
Hallo,
vielen Dank für die schöne Review. Leider muss ich eine Sache beanstanden: Die erste Version der BALLView zugrunde liegenden Bibliothek BALL wurde tatsächlich am MPII entwickelt und von diesem auch vermarktet. Danach ging die Software in die Arbeitsgruppe von Prof. Lenhof an der Universität des Saarlandes über. Die aktuelle Version von BALLView selbst enthält wahrscheinlich keine einzige Codezeile aus dem MPII mehr
Und noch ein Nachtrag: Der Originalautor von BALL, Prof. Oliver Kohlbacher, arbeitet nun in Tübingen. Seine Arbeitsgruppe ist auch weiterhin an der Entwicklung beteiligt, sodass die Universität Tübingen auch eine Erwähnung verdient
Hallo,
ein so komplexes Forschungsprojekt ist immer ein Gemeinschaftswerk von vielen Wissenschaftlern. In der Pressemitteilung der Universität des Saarlandes zur Cebit 2010 wurde die Vorgeschichte von Ballview mit allen Partnern genannt. In den Medienberichten fallen solche ausführlichen Hinweise dann aus Platzgründen oft weg.