Ich komme zwar im Vergleich zu meiner Studier- und Forschungszeit nur noch selten in ein Labor, verfolge aber mit Neugier, was sich an Laborausrüstung, Methodik, Geräten, Software usw. in der Branche tut. Dabei ist mir im aktuellen Katalog von METTLER TOLEDO ein Angebot aufgefallen. Die „academia excellence initiative“ bietet nicht nur Vorlesungen und Workshops an Hochschulen, sondern auch ein Starter-Kit für teilnehmende Studenten. Darin ist u.a. ein Laborkittel enthalten. Eine sympathische PR-Maßnahme, alles Weitere dazu auf der Academia-Hompage.
Schon der attraktive Wunder-Welt-Katalog (> 600 Seiten) ist mehr als einen Blick wert. Jeder, der in einem naturwissenschaftlichen Fachbereich studiert oder mal in einem Praktikum gestanden hat, kennt den Namen METTLER TOLEDO, der für erstklassige Präzisionswaagen steht. Natürlich werden diese und andere Laborgeräte in dem Katalog ausführlich vorgestellt. Darüber hinaus findet man jedoch jede Menge interessanter Infos und Hintergrundwissen für den Laboralltag, u.a.:
PS: Die Wägefibel gibt’s auch online unter
http://www.good-weighing-practice.com/gwp/richtiges-wagen
Der neunjährige Sohn des Paläoanthropologen Lee Berger von der Witswatersrand Universität in Johannesburg hat in einer Höhle in Südafrika ein Schlüsselbein und damit einen neuen Urmenschen entdeckt. Dort wurden mittlerweile die überraschend gut erhaltenen Skelette von zwei frühen Hominiden (Australopithecus sediba), einer Frau und eines Knaben, geborgen.

Schädelrekonstruktion (im Hintergrund) und Originalschädel von Australopithecus sediba, Bildquelle: Universität Zürich
Neue Funde von Hominiden sind immer faszinierend. Hier kommt das Kuriosum (?) hinzu, dass Google Earth bei der Entdeckung eine Rolle spielte. Mit Hilfe von Google Earth hatten die Forscher bisher unentdeckte Höhlen und damit potenzielle Fundstellen für Knochen und Skelette ausfindig gemacht.
Web 2.0 plus Paläoarchäologie gleich neue Erkenntnisse zur Menschheitsgeschichte, so einfach kann das sein. Mehr Details kann man bei Google nachlesen: Google Earth helps discover rare hominid ancestor in South Africa.
Wie spät ist es? Da ich am Wochenende mein Mobiltelefon nur selten mit herumtrage und noch seltener eine Armbanduhr richte ich mich, wenn zu Fuß unterwegs, gern nach Kirchturmuhren. Doch was bitte ist das denn? Zwei Uhren? Nein, zwei Zifferblätter mit je einem Zeiger? Unten geht es bis zur römischen 12, also sind das Stunden, dann werden das oben die Minuten sein. Oder die Jahreszeiten?? Eine eigenartige Rarität der Chronometrie. Hat ein Kirchturmuhrmacher sich hier einen Spaß erlaubt?

Gesehen und fotografiert habe ich diese seltsame Uhr heute auf der Höri (Bodensee) und zwar an der Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Genesius in Schienen. Genesius ist ein eher unbekannter Heiliger (von dem ich bis heute auch noch nie gehört hatte).
Die Kirche ist als „salierzeitliche Pfeilerbasilika“ ausgeführt und gehört neben St. Georg in Oberzell auf der Reichenau (übrigens auch in Second Life zu besichtigen) zu den ältesten und „ehrwürdigsten und eindrucksvollsten, freilich unbekanntesten Gotteshäusern am Bodensee” (Zitate aus einem Kunstführer von Matthias Köhler, erschienen im Kunstverlag Fink, Lindenberg).
Es gibt in Schienen übrigens ein jährliches Translationsfest und das ist keineswegs ein feucht-fröhliches Treffen von Übersetzern und Dolmetschern und hat auch nix mit RNA und Aminosäuresequenz zu tun (um noch einen winzigen Bezug zur Biologie zu bringen, wo Translation eine etwas andere Bedeutung hat).
Fünfmal so reißfest wie Stahl und dreimal so fest wie die derzeit besten synthetischen Fasern: Spinnenseide ist ein faszinierendes Material. Doch niemand kann bisher die Super-Fäden technisch herstellen.

Wie schafft es die Spinne, aus den im Inneren der Spinndrüse gespeicherten Spinnenseidenproteinen in Sekundenbruchteilen lange, hochstabile und elastische Fäden zu ziehen? (Bildquelle: idw / © John G. Hardy, 2010, Universität Bayreuth)
Diesem Geheimnis sind Wissenschaftler der Universität Bayreuth (UBT) und der Technischen Universität München (TUM) nun auf die Spur gekommen. In der aktuellen Ausgabe des renommierten Wissenschaftsjournals Nature stellen sie ihre Ergebnisse vor. (Mehr dazu in der vollständigen Pressemitteilung, veröffentlicht u.a. beim Informationsdienst Wissenschaft.)
Original-Publikation:
A conserved spider silk domain acts as a molecular switch that controls fibre assembly,
Franz Hagn, Lukas Eisoldt, John G. Hardy, Charlotte Vendrely, Murray Coles, Thomas
Scheibel, Horst Kessler
Nature, 13. Mai 2010, DOI: 10.1038/nature08936
In der März-Ausgabe von „Imaging & Micoscopy“ entdeckte ich einen Hinweis auf einen Photo-Wettbewerb mit faszinierenden Bildern aus der Welt des Lebendigen. Die „IN Cell Image Competition“ wurde veranstaltet von GE Healthcare Life Sciences, einem Medizintechnik-Hersteller.
Der IN Cell Analyzer ist eine Art modular aufgebautes Mikrospkop-System mit vollautomatischen Bildgebungs- und Analysetools, mit dem man zelluläre Prozesse in ihrem biologischen Umfeld beobachten kann. Er wurde ausgezeichnet mit dem renommierten Innovationspreis von Frost & Sullivan und ist vermutlich ein wunderbares Spielzeug Arbeitsgerät. Mehr als 80 mit dem Analyzer erstellte Bilder wurden bei dem Wettbewerb eingereicht, der „product showcase“ die prämierten Aufnahmen sind online zu bestaunen, die vom letzten Jahr sind noch auf Flickr zu finden.
Der Clou: Die „Fotografen“ der drei Siegerbilder wurden nach New York eingeladen, wo ihre Fotos riesengroß auf dem riesigen NBC-Screen flimmerten. Zellbiologie auf dem Times Square, bitte mehr davon …
Das „International Student Barometer“ beruht auf einer jährlichen Befragung internationaler Studenten an ihren Gasthochschulen und ist die vermutlich weltweit größte Studie ihrer Art. Im „International Student Barometer 2009“ haben die Konstanzer Universität und ihre Bibliothek wieder mal Lorbeeren eingeheimst.
Die Universitätsbibliothek belegte den Spitzenplatz unter allen (n=28) bewerteten deutschen Hochschulen und einen hervorragenden vierten Platz im weltweiten Vergleich (n=123). „Die Bibliothek der Uni Konstanz ist geradezu traumhaft“, schwärmt ein Kommentar (laut einer Pressemeldung der Uni Konstanz).
Ich kenne die Bibliothek noch aus den Zeiten der Lochkarten-Bibliotheksausweise und kann dem zitierten Kommentar nur zustimmen.
Heute in der Konstanzer Stadtbücherei entdeckt: Ein Flyer mit dem Titel „Hätten Sie’s gewusst?“. Er enthält eine Liste mit Kurzbeschreibungen von knapp zwei Dutzend populärwissenschaftlichen Büchern, die sich alle mit Naturwissenschaften im Alltag befassen. Alle genannten Werke sind recht neu (2006 bis 2010) und selbstverständlich in der gut sortierten Bücherei vorhanden.
Eine schöne und nützliche Zusammenstellung, nicht nur für Eltern und Lehrer, sondern auch, um selbst allerlei Spannendes über Naturphänomene zu erfahren. Oder wissen Sie bereits, warum ein Specht keine Kopfschmerzen bekommt oder was schwarze Löcher mit Spaghetti zu tun haben?
Schön, dass der Flyer auch als Download erhältlich ist.
Frühling, die Sonne scheint, es grünt und blüht allerorten. Die einen schniefen und schlucken Antihistaminika, andere verlieben sich und schreiben Gedichte. Denn Love is in the air und Blütenstaub weht durch die Lüfte. Bei vielen Pflanzen geht es nun um Sex, was aufgrund ihrer meist ortsfesten Verwurzelung gar nicht so einfach ist.
Damit diese “long-distance relationships” bei Pflanzen funktionieren, bedarf es der Hilfe von Wind oder Insekten, die den Blütenpollen zum „Partner“ transportieren. Was die Komplexität des Designs von Pollenkörnern und die Schönheit der Pollenarchitektur damit zu tun haben, zeigt ein Video von Flora Lichtman. (Der Vorname lautet tatsächlich so
)
Danke an Science Friday, wo das Video vorgestern vorgestellt wurde.
Ein ganz klein wenig erweitern Biologen die Sprache, wenn sie neu entdeckten Tier- oder Pflanzenarten einen eindeutigen lateinischen Namen zuweisen. Die deutsche Sprache wird mit neuen Tier- oder Pflanzennamen allerdings eher selten bereichert und wenn, so dürfte das kaum jemand merken und keine neuen Einträge im Duden auslösen. Noch viel seltener kommt es vor, dass der Name eines Naturwissenschaftlers zum Sprachschatz hinzugefügt wird.
Diese große Ehre wurde einem Arzt zuteil, der als Sohn eines Försters am Bodensee aufwuchs, in Konstanz zur Schule ging und später u.a. in Wien praktizierte. Bekannt wurde Franz Anton Mesmer für seine Lehre vom animalischen Magnetismus, dem so genannten Mesmerismus. Als Verb „to mesmerize“ ging der Nachname des Mediziners in die englische Sprache ein und bedeutet hier so viel wie „hypnotisieren“ oder im übertragenen Sinn „faszinieren“, „gebannte Aufmerksamkeit erregen“. Auch wenn Mesmers Theorie uns heute eher obskur anmutet, mit dieser außerordentlich seltenen Auszeichnung wurde der Arzt vom Bodensee unsterblich.
Mesmer und seine Vorstellungen vom animalischen Magnetismus tauchen übrigens wiederholt auch als Thema in der Literatur auf. Von E.A. Poe und Stefan Zweig bis zu neueren Werken wie „Der fünfte Winter des Magnetiseurs“ von Per Olov Enquist oder „Am Anfang war die Nacht Musik“ von Alissa Walser fasziniert diese Gestalt der Wissenschaftsgeschichte bis heute.
PS: Selbstverständlich gibt es Fälle, in denen ein Wissenschaftler insofern Spuren in der Sprache hinterlässt, als ein Gerät, eine Erfindung, ein Körperteil o. Ä. nach seinem Entdecker oder Erfinder benannt ist. Auch wird vielen berühmten Wissenschaftlern posthum gedacht, indem Straßen, Schulen oder wissenschaftliche Einrichtungen ihren Namen tragen. Röntgenstrahlen, Langerhanssche Inseln oder das Hubble-Teleskop sind solche Beispiele. Darum geht es hier jedoch nicht. Die Aufnahme als Verb und in die Umgangssprache, also die gebräuchliche Verwendung auch fernab des ursprünglichen naturwissenschaftlichen Kontextes, erscheinen mir im Falle von „to mesmerize“ einzigartig. (Für Hinweise auf vergleichbare Fälle bin ich dankbar!)
Rätselfrage: Was um alles in der Welt ist das für ein seltsames Gerät?
Tipp: Auch wenn es – legt man den Kopf ein wenig schräg nach links – beinahe so aussieht, hier hat niemand versucht, ein gelbes Pokémon aus Metall herzustellen.
(Vorsicht: Wenn Sie es tatsächlich selbst herausfinden wollen, scrollen Sie nicht weiter als bis zur unteren Bildkante.)

Da vermutlich eh so schnell keiner drauf kommt, hier die Lösung: Es handelt sich um einen Bananenkalibrator. Das ist kein Scherz. Laut einer EU-Verordnung zur Festsetzung von Qualitätsnormen für Bananen von 1994 muss deren Länge mindestens 14 cm und ihre Dicke mindestens 27 mm betragen. Mit dem abgebildeten Messgerät können Bananen im Anbauland oder auch am Zielort vom Importeuer oder Kontrollbehörden geprüft werden, ob sie als “Euro-Bananen” der Norm entsprechend gewachsen sind.
(entdeckt als freundliche Leihgabe der Cobana Fruchtring GmbH & Co KG, Hamburg, in einer Ausstellung der Handelskammer Hamburg)
Zugegeben, dieser Aufruf kommt aufgrund der Osterpause heute genau 12 Tage zu spät, aber noch nicht zu spät ist es, die Rettung der letzten freilebenden baumbewohnenden Oktopoden zu unterstützen. Bekannt wurde der überaus seltene Baumkrake (Octopus paxarbolis) nicht zuletzt, als Kult-Autor Terry Pratchett, Erschaffer der großartigen Scheibenwelt (und ihrer Bewohner), den achtarmigen Gesellen in einem seiner Bücher („Die Insel“) erwähnte.
Wer mithelfen möchte, die seltenen Baumkraken (Octopus paxarbolis) vor der Ausrottung zu schützen, findet auf „Help Save the Endangered Pacific Northwest Tree Octopus“ jede Menge Tipps und Anregungen. Skeptischen Zeitgenossen, die stirnrunzelnd die letzten Nachweise für Octopus paxarbolis betrachten, sei ein Besuch dieser Seite angeraten.
Was haben wir gelernt? Der Plural von Oktopus lautet weder Oktopusse noch – frei nach James-Bond – Oktopussy
.
Zu Hause am Computerspiel spielen und gleichzeitig an naturwissenschaftlicher Spitzenforschung teilnehmen? Ja, das geht. Sofern man sich das Programm Foldit herunterlädt und installiert. „Solve Puzzles for Science“ heißt es dazu auf der Website des Projekts und ohne Englischkenntnisse kommt man auch „ingame“ nicht weit. Für deutschsprachige Spieler ist das deutsche Foldit-Wiki eine erste Anlaufstelle.
Es geht in Foldit um die Faltung von Proteinen, also darum, wie sich die langen Aminosäureketten im 3-dimensionalen Raum anordnen. Aus unzähligen theoretisch möglichen Anordnungen (Faltungen) die beste herauszufinden (nämlich die, die in der Natur vorkommt), ist eine der schwierigsten Aufgaben moderner Biologie, selbst Computer kommen hier an Grenzen.
In Foldit kann der Spieler ein Protein auf dem Bildschirm verändern und schrittweise optimieren. Aus der endgültigen Struktur errechnet das Programm dann einen Punktwert. Bei internationalen Wettbewerben waren solche Vorhersagen von Foldit-Spielern mehrfach besser als die Modelle, die allein von Computerprogrammen berechnet wurden. Entscheidend sind bei diesen Aufgaben die menschlichen Fähigkeiten zur Musterkennung und diese sind selbst aktueller Proteinfaltungssoftware überlegen. Nicht alles kann ein PC also besser als wir.
Entwickelt wurde der „Mix aus Crowdsourcing und Verteiltem Rechnen“, wie es in Wikipedia heißt, von der Universität Washington. Hier war schon drei Jahre zuvor das Vorläuferprogramm Rosetta@home entstanden.
Demnächst soll auch das Design von Proteinen in Foldit integriert werden. Vielleicht kann man bald im Computerspiel um z.B. die Entwicklung des besten Impfstoffs gegen eine Seuche miteinander kämpfen statt um Trophäen virtueller Monster.